
Éveil

Introvertierte Stille und verspielte Klänge, warme Melodien und jugendlicher Elan: Erfahre mehr über unser Frühlingsprojekt 2026.
Das Wichtigste in Kürze:
🎵 Programm:
Arvo Pärt, «Fratres»
Albert Roussel, «Le Festin de l’araignée, Op. 17 (Fragments symphoniques)»
Edward Elgar, «Chanson de Matin, Op. 15 Nr. 2 (Orchesterfassung)»
Georges Bizet, «Sinfonie Nr. 1 in C-Dur»
📍 Wann & Wo:
Freitag, 1. Mai 2026, 19.30 Uhr
Kirche St. Karl, Luzern
Programm
Introvertierte Stille und verspielte Klänge, warme Melodien und jugendlicher Elan. Gemeinsam lassen wir uns auf meditative Klänge ein, betreten eine scheinbar idyllische Gartenwelt mit einer Vielzahl geschäftiger Insekten, erleben einen lyrisch-pastoralen Morgen und lauschen dem allerersten, doch zunächst vergessenen Meisterwerk eines Ausnahmetalents.
Éveil – das bedeutet Neugier, aufmerksam werden, aber auch sich bewusstwerden und Neues erspüren. Es ist das Erwachen aus dem Alltag und das Betrachten aus einem anderen Blickwinkel. Das Campus Orchester schenkt uns mit seinem Programm die Gelegenheit, Neues sowie Ungeahntes in und um uns wahrzunehmen – doch seien wir gewarnt, vielleicht lauert hinter der einen oder anderen fesselnden Melodie gar eine gewiefte Jägerin.
Arvo Pärt, «Fratres»
Arvo Pärts «Fratres» ist kein klassisches Werk mit erzählendem Charakter, vielmehr handelt es sich bei dem Stück um eine komplexe Klangstruktur mit meditativen Elementen. Mit wenigen Tönen, klaren Intervallen und langsamen Veränderungen entsteht ein gleichbleibender rhythmischer Puls, wobei sich die melodische Klangbögen abwechseln, verschieben und vertiefen.
Gerade dadurch gilt das Werk des estnischen Komponisten als weiteres Beispiel von Pärts einzigartigem Tintinnabuli-Stil, der sich in der Ausführung sowohl meditativ als auch minimalistisch zeigt und vom Kirchengesang inspiriert ist. Die bezeichnenden klaren, transparenten Töne, vom Lateinischen Begriff tintinnabulum für Glöckchen abgeleitet, sind auch in «Fratres» erkennbar. Pärt verzichtet dabei bewusst auf dramatische Höhepunkte, thematisiert hingegen die Stille und den Raum dazwischen wodurch gekonnt eine asketische Harmonik erreicht wird.
Das 1977 entstandene Werk, das aus dem Lateinischen übersetzt «Brüder» heisst, knüpft an das Mystisch-Chorale an und schafft rituelle Momente, bewegt sich zwischen Ruhe und Ruhelosigkeit. Ohne klaren Anfang oder Abschluss wird das Gefühl der Zeitlosigkeit zusätzlich verstärkt und auf dieser Weise musikalisch auf das alles umfassende Universelle verwiesen.
Albert Roussel, «Le Festin de l’araignée, Op. 17 (Fragments symphoniques)»
Albert Roussels zwischen 1912-1913 entstandenes Ballett erzählt eine poetische, nuancierte Naturgeschichte, die das Leben kleiner Garteninsekten thematisiert. Das Ballettstück wurde 1913 in Paris uraufgeführt und später von Roussel als konzertante Suite, bestehend aus «symphonischen Fragmenten» aus seinem Ballett zusammengestellt.
Der französische Komponist, der lange Zeit bei der französischen Marine diente und sich erst später vollkommen der Musik widmen konnte, betont dabei impressionistische Klangmuster und verbindet sie mit pointierten Rhythmen und lebendigen Charakterzeichnungen.
Das erste Fragment schafft zu Beginn eine ruhige Gartenwelt, wobei sich hier bereits die Protagonistin im Hintergrund abseilt. Mittels präziser Energie und tonaler Abfolge halten mit dem zweiten Fragment die geschäftigen Ameisen klanglich Einzug, die unter grossen Anstrengungen ein heruntergefallenes Rosenblatt wegtragen wollen. Das lässt allerdings den Schmetterling im dritten Fragment unbeeindruckt. Zufrieden tänzelt er geschmeidig und sorgenfrei über die Ameisen hinweg, gut hörbar sind hier seine zappeligen Schläge. Doch lässt er sich allzu leichtgläubig von der listigen Spinne zu Boden und in ihr Spinnennetz locken. Geschmeidig, spannungsvoll und leicht nervös folgt der Höhepunkt, in der sich die Spinne ihrer Beute annähert und den Jagdzug als Tanz inszeniert. Die Spannung, das Heranschleichen und letztlich das Zupacken der Spinne wird sowohl dramatisch als auch rhythmisch markant dargestellt. Doch Tod und Leben gehören nun mal zum Insektenleben dazu. So schlüpft im vierten Fragment die kleine Eintagsfliege, die sich mühsam aus ihrer Hülle schält und sogleich mit einem fröhlichen, verspielten Tanz in das fünfte Fragment übergeht. Doch das Leben einer Eintagsfliege ist kurz, und so stirbt diese mit dem Anbruch der Dämmerung. Dabei verlangsamt sich das Tempo, die Töne werden klagender, womit zwar eine feierliche, aber auch melancholische Stimmung erzeugt wird, passend zum Totenmarsch für das unschuldige Insekt. Bis sich mit dem finalen Fragment langsam die Nacht über die kleine Gartenwelt legt und Ruhe einkehrt, schliesslich war dieses «Festmahl der Spinne», so auch der übersetzte Titel des Balletts, lediglich eine kurze Episode im ewigen Kreislauf der Natur.
Edward Elgar, «Chanson de Matin, Op. 15 Nr. 2 (Orchesterfassung)»
Edward Elgars «Morgenlied» wurde 1899 veröffentlicht und war zunächst als Stück für Violine und Klavier gedacht. Als Gegenstück zu Elgars introvertiertem und weniger bekannten Stück «Chanson de Nuit», entstand ebenfalls die Orchesterfassung des «Chanson de Matin». Die leicht zugängliche Miniatur besitzt einen ausgeprägt lyrischen Charakter und ist gekennzeichnet von einer hellen, heiteren und gleichsam optimistischen Stimmung. Musikalisch wirkt das Stück klar, schlicht und zart. Diese poetische, warme rund vierminütige Miniatur des englischen Komponisten erinnert an sanfte, ländlich-idyllische Landschaften.
Georges Bizet, «Sinfonie Nr. 1 in C-Dur»
Die im Jahr 1855 von Georges Bizet als Hausaufgabe komponierte Sinfonie entstand während der Studienzeit des französischen Komponisten am renommierten Pariser Conservatoire. Die viersätzige Komposition verbindet dabei Klarheit und Form der etablierten Klassik mit seiner frischen, jugendlichen Energie. Kennzeichnend sind dabei die eleganten, fliessenden Melodien, wobei ebenfalls punktuelle dramatische Höhepunkte und eine rhythmische Verspieltheit das Werk akzentuieren.
Mit dem ersten Satz gelingt Bizet ein verspielter, aufgeregter Auftakt voller Elan und klaren Klangformen. Im Gegensatz dazu folgt der zweite Satz empfindsamer, langsamer und dafür in der Klangfarbe wärmer, wodurch dieser besonders liedhaft wirkt. Leichter, fast schon spitzbübisch folgt der dritte Satz mit mehr klanglicher Abwechselung und kontrastreichen Melodien. Der finale vierte Satz wirkt besonders schwungvoll und ist charakteristisch für das jugendliche Temperament des jungen Bizet. Als Resultat präsentiert sich ein leuchtendes, leichtfüssiges Frühwerk, das noch immer mit einer spürbaren Wärme und Spielfreude sowohl das Publikum als auch das Orchester begeistert.
Das Werk steht für Bizets Können, mit der vorhandenen klassischen Tradition einen eigenen, charakteristischen Umgang zu finden. Gleichzeitig erwacht mit der Sinfonie Nr. 1 Bizets umfangreiches Oeuvre, das mit der Oper «Carmen» eines der bekanntesten und beliebtesten Werken überhaupt umfasst. Seine erste Sinfonie hingegen bleibt als studentische Hausaufgabe lange Zeit im Pariser Conservatoire liegen, bis sie erst nach seinem Tod wiederentdeckt und 1935 in Basel uraufgeführt, dafür aber sogleich als frühes Meisterstück gefeiert und in das Repertoire der klassischen Musik aufgenommen wird.
